Situative Beinarbeit im Badminton - Teil 1

Lauftechnik taktisch & biomechanisch gedacht – von Diemo Ruhnow. Dieser Artikel erschien ursprünglich in der BADMINTON Sport.

Wer die Lauftechnikartikel in der BADMINTON SPORT schon des längeren verfolgt, weiß, dass für mich die Beinarbeit der entscheidende Schlüssel für Erfolg und Misserfolg auf dem Spielfeld ist.
 
Dabei geht es nicht nur darum, rechtzeitig zum Ball zu kommen, sondern gut zum Ball zu stehen, um entsprechend sauber den Schlag auszuführen oder aber wie zum Beispiel beim Smash für Power, beim verzögerten Clear oder Yong-Bo-Drop für Täuschung durch den Transfer der Kräfte beim Abdruck vom Boden zu sorgen und nicht zuletzt durch eine situativ-individuell angepasste Deckung vor dem Schlag des/der Gegners*in bestimmte Spielfeldecken taktisch besser zu decken.
 
In der aktuellen Reihe möchte ich einige typische Spielsituationen und unterschiedliche Lösungen für die Beinarbeit diskutieren. Um das Ganze in einen größeren Kontext einzuordnen zunächst ein paar praktische Grundlagen zu Betrachtungs- bzw. Herangehensweise:
 
Wissenschaftlich betrachtet haben wir es mit einer Fragestellung aus dem Felde des motorischen Lernens zu tun. Hier gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Modellen und Ansätzen zu verschiedenen Schwerpunkten. Für mich sind aktuell drei von praktischem Interesse:
 
1) der technisch-biomechanische Ansatz (engl. technical approach),
 
2) der taktische Ansatz (engl. game-based approach) sowie
 
3) der Ansatz des motorischen Lernens durch Beschränkungen (engl. constraints-led approach).
 
    

Alle drei Ansätze haben ihre Berechtigung und ihre Vor- und Nachteile. In dem Artikel „Lernen im Badminton“ hatte ich unter dem Gesichtspunkt des motorischen Lernens insbesondere auf die Vorteile des „Constraints-led Approach“ verwiesen, während in der aktuellen Reihe ich ausgehend vom taktischen Ansatz zur Lösungsfindung diesen sowie den technisch-biomechanischen Ansatz nutzen möchte.
 
Bei letzterem steht die sportliche Technik für den/der Trainer*in im Vordergrund. Es geht darum die Vielzahl von relevanten Techniken, die für die Sportarbeit von Nutzen und Nöten sind zu entwickeln, zu verfeinern und einzuschleifen. Die Taktik steht hier zunächst im Hintergrund und wird erlernt, nachdem die technischen Mittel zur Verfügung stehen. Beim taktischen Ansatz geht es darum taktische Problemstellung zu lösen, die das Spiel bzw. eher der/die Gegner*in dem/r Spieler*in aufgeben. Das Bewegungsproblem soll verstanden und sinnvolle taktisch-technische Lösungen gesucht werden, bevor eben die Technik gemeistert wird. Oft eine Herangehensweise, die wir dänischen Trainern*innen zuschreiben. Aber auch – der Vollständigkeit wegen – der „Constraints-led Approach“ bietet z.B. mit der Unterkategorie und dem Konzept der „Teaching Games for Understanding“ einen Ansatz, unter taktischer Betrachtungsweise „Badmintonprobleme“ spielerisch-implizit gelöst werden. Ein ebenfalls in Dänemark weit verbreitete Trainingsmethodik.
 
Herausgreifen möchte ich zwei Spielsituationen, jeweils eine aus dem Einzel und eine aus dem Doppel, an denen ich zum einen diese Herangehensweise verdeutlichen möchte, aber natürlich – im zweiten Teil – auch im Detail Lösungsvorschläge und Erläuterungen anbieten möchte. Spielsituation 1 - Einzel: Der/die Spieler*in hat gerade einen Ball nah mit Schnitt am Netz in der Vorhandecke des/r Gegners*in platziert und hat dann verschiedenste Varianten der Nachbereitung, drei dazu zunächst ohne Bewertung herausgegriffen: Bild 1-3 Deckung nach Drop zum Netz (netznah).
 
Situative Beinarbeit im Hinterfeld 1 Deckung nach Töten am Netz 1 Situative Beinarbeit im Hinterfeld 1 Deckung nach Töten am Netz 2 
 
Situative Beinarbeit im Hinterfeld 1 Deckung nach Töten am Netz 3
 
Spielsituation 2 – Doppel: Der/die Spieler*in hat sich aus einer zentralen Position im Hinterfeld in die Vorhandecke bewegt und dort einen Smash ausgeführt. Wir sehen zwei mögliche unterschiedliche Landungen, bei denen der Einsatz der Hüfte genutzt worden ist, aber die Stellung der Beine unterschiedlich ist (Bild 1-2 Landung Hinterfeld).
 
Situative Beinarbeit im Hinterfeld 1 Landung Hinterfeld 1 Situative Beinarbeit im Hinterfeld 1 Landung Hinterfeld 2

Dazu nun eine Auswahl an den Fragestellungen ausgehend vom taktischen Ansatz in Abhängigkeit der genauen Platzierung :
 
- welche Schlagmöglichkeiten hat mein/e Gegner*in
 
- welche davon sind wie wahrscheinlich oder wie gefährlich (im Sinne von Zeit- und Raumdruck)
 
- welche Erfolgswahrscheinlichkeiten habe ich bezogen auf die unterschiedlichen Lösungen des/r Gegners*in
 
- welche Lösungen möchte ich decken oder sogar provozieren
 
- welche generelle taktische Ausrichtung habe ich (offensiv vs. kontrolliert vs. defensiv)
 
- welches Spielsystem oder besser und genauer in welcher Felddeckung agiert das Doppel?
 
Haben wir uns hier entsprechend Gedanken dazu gemacht und differenzierte Lösungsmöglichkeiten gefunden, gilt es diese nun technisch-biomechanisch zu betrachten und zu überlegen, wie dies meiner/m Spieler*in nun technisch lösen individuell kann und dabei seine Fähigkeiten (z.B. Antizipationsfähigkeit, Sprungkraftfähigkeit, ...) und Gegebenheiten (Größe, Reichweite, taktische Ausrichtung ...) nutzt.
 
    
  
Hier können wir nun anhand der Fotos rückwärts vorgehen, während in der Trainingspraxis in der Entwicklung von neuen Lösungen die Vorwärtsherangehenweise nötig ist, bis ein gewisser Fundus an Trainerwissen und -erfahrung vorhanden ist.
 
Da wir jetzt diese Bilder vorliegen haben, überlegen wir, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Positionen haben und damit, welche taktische Ideen dahinter stecken können, aber auch, welche Fähigkeiten man für die verschiedenen Positionen im Verhältnis zu taktischen Lösung haben muss. Ganz entscheidender Punkt: die Stellung der Beine im Verhältnis zum Körperschwerpunkt (Pfeil nach unten, Bild 6) und natürlich die Lage der Schlagschulter im Verhältnis dazu. Diese geben vor, welche Diagonale sehr gut (Pfeile nach vorne und hinten, Bild 6), welche weniger gut gedeckt ist, wo Korrekturschritte oder weitere Drehungen nötig sind.
  
Situative Beinarbeit im Hinterfeld 1 Winkel & Schwerpunkt
 
Jetzt ist der/die interessierte Leser*in gefordert:
 
Einzel: Welche Schlaglösungen werden erwartet oder auch provoziert? Welche Unterschiede gib es in Bild 1 & 2 dahingehend und welches ist die bessere Lösung?
 
Doppel: Welche Schlagplatzierung und/oder welches Spielsystem wird durch welche Landung präferiert?
 
Viel Spaß beim Grübeln – die Auflösung und weitere Details und Gedanken zu den beiden Situationen folgen dann in Teil 2. 
  
Viel Spaß beim Ausprobieren,
 

Diemo Ruhnow 

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