Mixedtaktik - Gedanken zur Taktik im gemischten Doppel - Teil 2

Während sich der erste Teil der kleinen Mixedtaktik – Reihe mit verschiedenen Varianten im Stellungsspiel beschäftigten, geht es hier im zweiten Teil darum, mit ein paar Mythen und veralteten Weisheiten aufzuräumen sowie um die verschiedenen Teilbereiche.

Mythos 1: Die Mixeddame hat Ihre Position am Netz bzw. im Vorderfeld.
 
Schaut man sich moderne Mixed an, dass vom teilweise immer noch existierenden Bild, „die Dame hat das Netz“ und „der Herr das Hinterfeld“ oft und teilweise erheblich abgewichen wird. Nimmt man die beiden Situation Swipaufschlag auf die Dame sowie flacher Angriffsclear über die Dame in der Seite-Seite-Abwehrposition wird schnell klar, dass es zumindest zwei Situationen gibt, wo „Dame im Hinterfeld“ gar nicht zu vermeiden ist und taktisch gute Lösungen gefunden werden müssen. Blendet man diese Situation aus und bearbeitet man sie nicht im Training schafft man mit Sicherheit jede Menge Unsicherheiten. Unabhängig von diesen beiden Situationen gibt es auch eine Menge anderer Situationen (z.B. Herr im Midcourt, der longline Druck auf die Dame zum Netz macht) in denen auch der Herr zum Netz gehen kann – die Dame muss dann das Hinterfeld lösen können.
 
Mythos 2: Die Dame steht in der Abwehr immer diagonal zum Ball.
 
Besitzt die Dame eine ebenso gute Abwehrfähigkeit wie der Herr, dann macht diese Aussage keinen Sinn. Aber selbst wenn der Herr eine bessere Abwehr als die Mixeddame besitzt, dann macht dies verallgemeinerte Aussage in verschiedenen Situationen wenig Sinn. Schmettert z.B. der Mixedherr cross auf die Dame würde die Aussage bedeutet, dass die hohe Abwehr wieder auf die Seite zum Mixedherr geht – dieser muss so wenig arbeiten und steht zum nächsten Angriff bereits gut zum Ball. Würde sie longline Clear spielen, müssten in kurzer Zeit Dame und Herr die Seiten wechseln, ob dies so glücklich aussieht – eher nicht.
 
Mythos 3: Die Dame spielt aus dem Hinterfeld immer cross herunter.
 
In erster Linie und vor allen Dingen in den ersten Ausbildungsstufen kann man sagen, dass es Vorteile hat, wenn die Dame aus dem Hinterfeld cross herunter spielt. Der Angriff bleibt erhalten, die Dame hat mehr Zeit in Richtung Netz zu arbeiten und der Herr kommt einfach ins Spiel. Wenn aber alle Welt darauf eingestellt ist, muss die gespielte Qualität sehr hoch sein, damit dies so immer noch funktioniert (in den meisten Fällen tut es das auch) – letztendlich macht es dann aber Sinn, Varianten einzuüben – hier muss dann Nachbereitung explizit geklärt werden. Ein denkbar einfacher Fall ist der longline Smash der Dame auf die gegnerische Dame mit schlechter Abwehr...
 
Mythos Nr.4: Die Dame spielt aus Hinterfeld immer Clear über die gegnerische Dame.
 
Solange man als Dame andere Optionen hat, sollte man eine möglichst offensive Lösung suchen – dies kann u.U. auch ein Angriffsclear über die Dame sein, insbesondere, wenn diese eher passiv im Hinterfeld ist oder sogar Lücken aufreißt, in dem sie z.B. einen Schritt nach vorne macht, aber ihr Herr davon ausgeht, dass sie diesen Ball nimmt. Letztendlich gilt es aber im Angriff zu bleiben, eine verallgemeinerte Lösung kann es da nicht geben.
 
Mythos Nr.5: Die Dame steht beim „T“.
 
Siehe Nr.1 – die ideale Position im Angriff ist schon, dass der Herr im Hinterfeld arbeitet und die Dame im Vorderfeld ist. Wie gesagt, ideal – aher so läuft es halt nicht immer. Zumindest der Gegner sollte ja etwas dagegen haben. In der Position Vorderfeld stehen viele Damen aber zu nah am Netz. Wenn ich netznah gespielt habe, dann kann sich die Dame eine Position auf Höhe der Aufschlaglinie suchen, in vielen anderen Situationen aber zwischen 1-2 Schlägerlängen hinter diese Linie. Steht die Dame zu weit am Netz, dann hat sie z.B. beim Smash des eigenen Herren und Drive-Abwehr des Gegners durch sie durch i.A. keine Chance diesen Ball offensiv und kontrolliert zu spielen. Die Dame deckt bei zu naher Stellung am Netz und hartem Spiel quasi nichts ab – dann kann es schwierig werden für den Mixedherren.
 
Bereits im ersten Teil haben wir festgestellt, dass die günstige Position im Angriff, Dame vorne und Herr hinten zwar oft die bessere Position ist, aber „günstig“ nicht gleich „immer“ stattfinden kann. Dennoch möchte ich zuerst mit den Eigenschaften beginnen, die als Vorderfeldspielerin gefordert sind.
 
Am wichtigsten ist es, den Angriff aufrecht zu erhalten, also im Netzbereich und Übergang fallende Bälle unter die Netzkante zu spielen. Zweie Priorität wäre dann, mögliche Chancen in diesem Bereich auch in direkte Punkte ummünzen zu können. Wichtige Themen sind daher Sprünge zum Netz und ein gutes Deckungsverhalten. Letzteres bedeutet, dass die Dame aktiv einen bestimmten Bereich deckt und auch durch gewisse Aktionen (Distanz zum Netz, Präsenz) für Höhe sorgt, d.h. das sie sich nicht klein macht, sondern das das gegnerische Mixed höher spielen muss, um über die Dame zu spielen und somit der Herr im Hinterfeld mehr Zeit hat – sofern das gewollt ist (was meist sinnvoll ist).
 
Aber wie in den Angriff gelangen. Hier sind drei Phasen möglichst gut zu lösen. Zunächst Aufschlag und Annahme. Die Dame sollte über einen guten Aufschlag verfügen, auch wenn der gegnerische Herr drohend zur Annahme gegenüber steht – hier ist also auch Selbstvertrauen in den eigenen Aufschlag gefragt. Dann natürliche eine gute Annahme – es müssen keine direkten Punkte erzielt werden, aber eine fallende Annahme wäre schon von Vorteil. Der Klassiker wäre eine Annahme auf den Mixedpunkt, also den Kompetenzbereich des gegnerischen Herren und der Dame. Nicht zu vergessen wäre eine gute Annahme für den Swip-Aufschlag – oft wird der Gegner ja versuchen, ein Loch aufzureißen und die Dame nach hinten zu bringen – mit dem Swip-Aufschlag geht dies sehr einfach. Dabei muss man nicht unbedingt nach unten spielen können, ein Clear über die gegnerische Dame kann ebenfalls effizient sein. Man sollte sich aber mit dem Thema Swip-Annahme beschäftigen.
 
Der zweite Bereich wäre „Übergang“ – also keine Paarung in Angriff oder Abwehr. Hier reicht es fallende Bälle zu spielen – möglich clever platziert, dass es einfach ist, Netz durch die Dame und Hinterfeld durch den Herren abzudecken. Dies können harte Drive sein, müssen es aber nicht. Intelligent platzierte weiche Bälle tun es oft auch.
 
Der dritte Bereich wäre die Abwehr. Da man mit gegnerischen Herrensmash umgehen muss, muss eine Dame über eine gute Abwehr verfügen. Auch dabei geht es in erster Linie nicht, alle möglichen Varianten spielen zu können, sondern um 1-2 sichere Lösungen, um wieder in den Angriff zu gelangen. Dies kann so etwas wie eine gute hohe Crossabwehr sein, um die Seite zu wechseln (und den nächsten Smash auf den Partner zu ziehen), kann aber auch eine einfache Lösung, wie ein longline oder cross-Block sein. Wichtig ebenfalls – Vertrauen in die eigene Abwehr. Kein Vertrauen in die eigene Abwehr führt zu schlechteren Lösungen und oft dazu, dass die Damen sich zu weit ins eigene Feld stellen, was es nicht gerade einfacher macht, eine gute Abwehr zu spielen – man hat zwar mehr Zeit, der Gegner aber eben auch und wird es einfacher haben, wieder oberhalb der Netzkante an den Ball zu gelangen.
 
Nicht zuletzt hatten wir in Teil 3 festgehalten, dass im modernen Mixed auch die Dame viele Hinterfeldsituationen hat – hier gilt es, dass die Dame den Lauf ins Hinterfeld und die Nachbereitung in Richtung Netz beherrscht – und natürlich auch entsprechende Lösungen im Hinterfeld parat hat (z.B. Cross Smash, Yong Bo Drop, ...).
 
Eine weitere Aufgabe, die auch die Dame übernehmen kann, wäre der Bereich Führung. Dies kann auf der Persönlichkeitsebene sein – z.B. sagte die dänische Finalisten der German Open 2013, dass sie ihren Partner in kritischen Situationen oft beruhigt oder auf der taktischen Ebene, durch Ansagen oder aber durch ein gutes frühzeitiges Positionieren auf dem Feld das Spiel dadurch lenken.
 
Alles in allem – viele Arbeitsgebiete für die Dame im Mixed, die im Training thematisiert und bearbeitet werden sollten.
 
Generell hatten wir die Spielidee entwickelt, dass der Herr oder teilweise die Dame die Ballwechsel vorbereiten soll, die Dame dann am Netz den Ballwechsel abschließt.

Der Herr soll also den Ballwechsel und den Punktabschluss durch die Dame vorbereiten. Zunächst ist dann einmal klar, dass der Herr das gesamte Hinterfeld beherrschen muss. Das bedeutet durch aktive Beinarbeit sowie durch kontrollierte und ggf. gefährliche Schläge den Angriff aufrecht zu erhalten und somit die Dame am Netz ins Spiel zu bringen („für die Dame spielen“). Gefährliche Angriffsschläge sind ebenfalls von Nöten – um zum einen natürlich Punktsituation zu kreieren, aber auch den Gegner an sich in die Defensive zu drängen. Hat man keine gefährlichen – sei es denn durch Geschwindigkeit, Platzierung & Variabilität oder Täuschung – Schläge, braucht der Gegner keinen Respekt in der Verteidigung zu zeigen und kann somit mehr Druck Richtung Netz machen.
 
Typische gefährliche Hinterfeldschläge für einen Badminton Mixed Herren sind: Jumpsmash, Smash, Sticksmash, YongBo-Drop, geschnittene Drops und getäuschte Angriffsclear über die Dame.

Wichtig ist ebenfalls das Bewegen im Midcourt – ein moderner Mixed-Mann sollte auch in den Midcourt hineinarbeiten können und ggf. dann sogar – mit Vertrauen in die Dame, dass diese dann das Hinterfeld zumindest kurzfristig übernehmen kann – seinen eigenen gefährlichen Bällen ans Netz zu folgen um dort direkt den Abschluss zu suchen.

Weitere Eigenschaften und Fähigkeiten, die ein guter Mixed-Herr im Badminton mitbringen sollte:
 
- sehr guter Aufschlag aus hintere Position 
- Abwehrfähigkeiten 
- Führungsqualitäten: Führung und Verantwortung übernehmen 
- Präsenz zeigen (Einfluss auf das gegnerische Mixed, die gegnerische Dame) - ...
  

Dies als Anregung – aber keinesfalls als vollständige Auflistung – „was ein Mixed-Herr können sollte“. Gleichzeitig der Abschluss der kleinen Reihe zum gemischten Doppel im Badminton.

Diemo Ruhnow


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